
Die 10 Prinzipien von Neural Somatic Integration (NSI)
1. Der Körper beinhaltet/speichert ALLE unsere Erfahrungen - von Trauma bis Freude - in neuronalen
Schaltkreisen und/oder in Form von chemischen und körperlichen Funktionen und Strukturen.
2. Chronische Belastungen, wie z. B. physische, mentale oder emotionale Schmerzen, die nicht
natürlichen Ursprungs sind (Krankheit, Unfall), sind das Ergebnis einer defensiven, physiognomischen
Antwort/Effekt auf vergangene Erfahrungen bzw. erwartete Bedrohung oder Schmerzen. Dieser
sogenannte „Stress“ ist Äußerung von Reaktionen (fliehen, erstarren oder kämpfen), die ursprünglich die Funktion hatten, das Überleben sicherzustellen und uns zu schützen. Dauern diese Reaktionen nach dem Vorübergehen der aktuellen Bedrohung hinaus weiter an, werden sie zu Krankheiten führen.
3. Das Freisetzten von nicht länger funktional sinnvollen Antworten führt zu einer Entladung (ein Begriff, der aus der Elektrik stammt). Er wird zur Beschreibung dessen verwendet, was einem Körper/Verstand widerfährt, wenn ein Teil der bisher gebundenen Energie freigesetzt wird, die zuvor eingesperrt oder blockiert war. Entladung ist eine freudige, ja sogar belebende Erfahrung. Energie, die bis dahin in den neuronalen Schaltkreisen „eingeschlossen“ war, kann sich jetzt frei bewegen und fließen. Sie steht
nun wieder für kreative und produktive Erfahrungen zur Verfügung.

4. Psychotherapie, einschließlich aller Formen psychologischer Interventionen, versucht die Entladung über Kognition herbeizuführen, also über Analyse, Synthese und das „Verstehen“ der historischen Gründe, die zu dieser Pathologie führten. ODER dadurch, dass ein Container für emotionale Kompensation
geschaffen wird, in welchem der Verstand/Körper das loslassen kann, was er nicht weiter zu seinem Schutz benötigt. Die damit in Verbindung stehende neuronale Energie wird entladen und ist so nicht mehr weiter daran gebunden, den Komplex aus Glauben, emotionalen Triggern und korrespondierenden Körperkonfigurationen an Ort und Stelle zu halten. Gesprächstherapie hat angefangen, die Rolle des Körpers, bei der Heilung von „psychologischen“ Traumata und sogenannten Neurosen anzuerkennen. Die
Arbeit von Gene Gendlin und seine Einführung in das Konzept des „felt sense“, der INNERHALB DES KÖRPERS anwesend ist, als Schlüssel für effektive Therapie, ist hierfür ein hervorragendes Beispiel.
5. Körperarbeit hat sich in den letzten Jahren sehr schnell von der ausschließlichen Betrachtung der physischen Manifestationen eines Schmerzkomplex - solche sind die Anatomie der Muskeln, Bänder, Sehnen, Lymphknoten auch Symptomen eingeschränkter Bewegung, Krämpfen etc.- weg entwickelt oder vielleicht auch einfach wiederentdeckt, was es ursprünglich schon gab. Pioniere wie Moshe Feldenkrais,
Trager usw. entwickelten Methoden, diese darunterliegenden Muster von körperlichen Fehlfunktionen, anzusprechen. Die Arbeit von Peter Levine zu Entladungsprozessen von Traumata ist besonders relevant bei dieser Debatte.

6. Neural Somatic Integration (NSI) ist die Fortführung eines Prozesses, der sich mit den zugrundeliegenden neuronalen Mustern, die den Anfangspunkt für ein vorhandenes Belastungsmuster bilden, beschäftigt. Ich spreche von diesen Mustern als einem Anfangspunkt, weil dieser Begriff die im Körper verankerte Ursache bezeichnen soll, unabhängig davon, ob sie bewusst oder unbewusst ist, eine Geschichte, eine Körperstruktur oder Körperhaltung, ein Gefühl oder ein Schmerzsymptom. Die historisch bedingte Ursache eines Belastungskomplexes ist nicht gegenwärtig. Nur der Überrest der Körperantwort auf den schmerzhaften Auslöser bleibt in „Fleisch und Blut“ erhalten, einschließlich der kompletten neurobiologischen Verknüpfung.
7. NSI bietet dem Körper die Möglichkeit sich selbst zu heilen, indem Aufmerksamkeit zu den Pathologien und Schmerzkomplexen gelenkt wird, die der Anwender durch Beobachtung, Berührung und/oder mündliche Rückmeldung „wahrnimmt“. Der Anwender geht nicht davon aus, dass er weiß „wie“ der Organismus geheilt werden soll. Er/sie setzt sein/ihr Vertrauen in die Selbstheilung des Körpers und folgt den außergewöhnlichen und komplexen Selbstheilungs- und Selbstregulationsmechanismen, des autonomen, parasympathischen neurologischen Systems. Die Rolle des Anwenders ist hierbei, ein
lebendes Feed-back Instrument zu sein, indem er/sie bestimmte Körperzustände wahrnimmt und den Organismus ermutig, pathologische psycho-physiologische Ablaufschemata abzuwerfen und sich selbst zu erlauben, wieder auf „natürliche Weise zu funktionieren (d. h. ohne pathologische Syndrome, die Gesundheit und das Leben beeinflussen). Das führt dazu, dass dem Körper ermöglicht wird, auf natürliche Weise zu„ atmen“, sich selbst zu spüren und freizusetzen, was aus einem Reflex heraus, aus Angst
erneut oder fortlaufend verletzt zu werden, festgehalten wurde. Dem Organismus wird gezeigt, dass die historische Ursache für die Schmerzreaktion nicht länger vorhanden ist oder, wenn sie das doch ist, ihm gezeigt wird, dass es alternative Möglichkeiten gibt zu„entkommen“ und eine Veränderung herbeizuführen. Die Botschaft, die NSI für den Körper bereit hält ist: Du brauchst nicht länger an diesem defensiven Komplex, der dir früher Sicherheit gegeben hat oder der dir sogar geholfen hat zu überleben festhalten, auch wenn das zu dem Zeitpunkt des Traumas eine vollkommen „normale“ Reaktion war, die dir jetzt aber zur Last fällt oder zumindest deine Möglichkeiten einschränkt, deinen Körper, deinen Verstand und deine Gefühle (z. B. dein Leben) in der Gegenwart zu erleben sowie deinen Zugang zu positiven emotionalen Zuständen wie Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung und Mut einschränkt.
8. Der Körperarbeiter, der auf diese Art und Weise behandelt, folgt keinem festgelegten Massage- oder Behandlungsschema, nicht einmal solchen, die aus alten Traditionen stammen (wie z. B. Reflexologie, Akupressur, usw.) Statt dessen wird er/sie dem Organismus „zuhören“ während er durch Gesten, Stimme, Muskelspannung, schmerzhafte Stellen, Körperhaltungen, Bilder oder Erinnerungen zu ihm/ihr spricht.
Er/Sie wird auf neutrale und nichtbeurteilende Weise beobachten was tatsächlich im Organismus vorhanden ist und dieses dem Organismus in Form von verbalem oder taktilem Feed-back zurückspiegeln. Auf diese Weise bietet er/sie dem Organismus die Gelegenheit, gespeicherte Energie zu entladen, freizusetzen und sich selbst zu heilen. Der Anwender kann diese Entladung nicht „erzwingen“. Er/Sie kann den Organismus
9. Nur wenn es einen freien und sicheren Austausch zwischen dem Anwender und dem Organismus gibt, wird es zu Heilung kommen. Vertrauen ist die Grundvoraussetzung für jede Art von heilender Beziehung. Ohne Vertrauen ist der Organismus „auf der Hut“ vor erneuter Verletzung und verstärkt so die neuronale Vernetzung, die man versucht zu lösen und in eine lebenspendende, zur Gesundung führende somatische
Nervenvernetzung zu überführen.
10. Je nach Dauer oder Intensität eines Traumas bzw. eines Belastungsmusters ist es unwahrscheinlich, dass die Art von neuralsomatischer Integration, die wir erreichen wollen, schnell eintreten wird. Es ist möglich, dass jemand für jedes Jahrzehnt seines Lebens je ein Jahr mit wöchentlichen NSI Sitzungen verbringt, um die verschiedenen Arten von Schmerz/Belastung durchzuarbeiten. Dies ist von Klient zu Klient völlig verschieden. Allerdings wird es ab einem bestimmten Punkt für die Person möglich, sein/ihr eigener,
heilender Anwender zu werden. NSI in nicht einfach nur ein „therapeutischer Prozess“. Es ist ein edukativer Prozess, bei dem die Klienten sich ihrer eigenen Körper/Verstandes-Symptome bewusst werden und anfangen die Selbstregulation einzusetzen, die sie während der NSI Sitzungen erlernt haben. In diesem Sinne ist der Heilungsprozess lebenslang. Das Lösen alter Traumata und Schmerzsymptome führt
nicht dazu, dass der Körper keine neuen Traumatisierungen oder Schmerzen erfährt. Sobald jedoch die Dynamik und der kreative Prozess von NSI innerlich aufgenommen worden ist, hat der Klient Werkzeuge, auf aktuelle Belastung so zu reagieren, dass er den Aufbau von Abwehrkomplexen minimal hält bzw. entstandene Abwehrkomplexe schnell wieder abbauen kann.