Arthur Munyer sitzt mir
direkt gegenüber. Wir sitzen beide in identischen Ikea Stühlen mit dem
Unterschied, dass auf dem von Arthur ein
Schaffell liegt. Unsere Knie berühren sich fast. Wir befinden uns im Anbau von
Arthurs Haus in Carmel, Kalifornien. Ringsherum sind Fenster durch die man
einen sattgrünen, von Bäumen eingefassten Garten sieht. Sonnenlicht strömt in
den Raum und wird von einem hängenden Kristall
funkelnd gebrochen. An der Wand hängt ein Bild von Händen, die ein
Neugeborenes halten. Es gibt mehrere „Altäre“ im Raum, mit verschiedenen
Objekten: Figuren, Kristalle, Bilder von spirituellen Lehrern.
Ich bin
für eine Triggerpunktmassage zu Arthur gekommen, um eine chronische Versteifung
des Nackens und Schmerzen, die ich seit beinahe 10 Jahren habe, behandeln zu
lassen. Ich habe schon fast alle Arten
von Heilmitteln ausprobiert, die man sich für mein Leiden vorstellen kann: Tiefengewebsmassage,
Chiropraxis, Körpertherapie, Dehnübungen, Reizstromtherapie, Magnete,
Ölessenzen, Psychotherapie, Antibiotika, Cortison und Nahrungsergänzungsmittel
in Hülle und Fülle. All das hat bis zu einem gewissen Grad oder zeitweilig
geholfen, aber mein Bewegungsradius ist nach wie vor um 30 % eingeschränkt und
der Schmerz akut. Arthur ist mein neuester Versuch. Die Frage nach einer
Empfehlung für einen Triggerpunktmasseur, bei der örtlichen Massageschule,
erbrachte nur einen Namen: Arthur Munyer.
Arthur Munyer ist ein
fortgeschrittener Lehrer für Esalen® Massage, ein Somatic
Experiencing® Anwender und Triggerpunkttherapeut. Er praktiziert und
unterrichtet seit mehr als 30 Jahren Körperarbeit, Techniken für spirituelle
und emotionale Heilung am Esalen® Institut in Big Sur und anderen
Orten des USA, Südamerika, Europa und auf Bali. Er ist ebenfalls ein Sivananda®
Yoga Lehrer. Er hat seine eigene, einzigartige, körperorientiert Heilungsarbeit
entwickelt, die er die Munyer Methode™ nennt.
Arthur und ich unterhalten uns.
Tatsächlich unterhalten wir uns, bei dieser ersten Sitzung, die ganze Zeit
über. Es gibt eine Massagebank direkt neben uns und ich erwarte natürlich, die
meiste Zeit darauf zu verbringen. Aber Arthur hat andere Vorstellungen. Er
möchte, dass ich ihm erzähle was das Beste war, das mir in den letzten 24
Stunden widerfahren ist. Ich möchte von meinem Nacken erzählen, aber Arthur
scheint daran nicht so sehr interessiert zu sein. Stattdessen fragt er, was mir
im Laufe des Tages die größte Freude bereitet hat. Ich denke darüber nach und
beschreibe einen Moment an dem ich durch den Point Lobos Nationalpark, der
direkt oberhalb der Straße liegt, gegangen bin. Ich beschreibe die natürliche
Schönheit des Ortes, die Frische der Luft, die dramatische Verbindung von Land und Meer, die einzigartige Geologie,
die Robben, Otter und Seelöwen. Ich beginne mich zu entspannen. Arthur fällt
auf, dass meine Beine zittern.
„Verlangsame das mal“, sagt
er und führt mich in eine ausgedehnte, meditative Erkundung meines Körpers und
von Bildern, Gedanken und Gefühlen, die aufkommen während ich meine Beine
langsamer und langsamer bewege, bis hin zu Mikrobewegungen, die fast nicht mehr
als Bewegungen zu erkennen sind. Mein Geist beginnt umherzuschweifen, von
Bildern meiner Kindheit zur Erinnerungen an eine schmerzhafte Scheidung vor
über 40 Jahren, Gefühle gegenüber meiner Mutter, die Beziehung zu meiner
jetzigen Ehefrau, Arbeitslosigkeit, Fatigue, Depression und Nackenschmerzen.
Während der gesamten Reise
beobachtet Arthur mich genau und hört mir zu, er hört nicht so sehr auf die
Geschichte, als vielmehr auf etwas in meiner Stimme oder vielleicht etwas, das
in meinen Körperbewegungen liegt. Manchmal sitzen wir für eine Weile in Stille,
ohne dass einer von uns für geraume Zeit etwas sagt. Arthur bittet mich in
regelmäßigen Abständen, in meinen Körper
zu spüren. „Spürst du etwas in deinen Händen? Spürst du Hitze in deinem
Gesicht?“ Nach einer Weile bittet er mich, im Raum umher zusehen. Dazu hatte er
mich schon im ersten Moment eingeladen, als ich mich hingesetzt hatte. „Schau dich
einfach mal um“, sagte er. „Was nimmst du wahr?“ Ich kommentierte die
Spinnennetze, die ich außerhalb der Fenster sehe, das Grün der Büsche und die
Wärme des Sonnenlichts. Jetzt fragt Arthur: „Bemerkst du einen Unterschied?“
Ich scanne den Raum erneut und sage: „Die Dinge sehen strahlender aus, grüner,
mehr 3dimensional.“ Ich sehe ein Bild,
das ich zuvor nicht wahrgenommen habe.
„Wie fühlt sich dein Nacken an?“, fragt Arthur und bittet mich meinen Hals vorwärts
und rückwärts zu beugen. „Ungefähr genauso“, sage ich. „Nun, daran müssen wir arbeiten“,
sagt Arthur. Und schließlich tun wir das – auf das Intensivste. Arthur ist
definitiv ein Triggerpunktmasseur. Er benutzt eine Vielzahl unterschiedlicher
Körperarbeitstechniken, um meinen Hals zu entspannen und bewegt ihn auf eine
Art und Weise, wie er sich seit Jahren nicht mehr bewegt hat. Aber wir fangen
jedes Mal auf die gleiche Weise an: Schau dich im Raum um. Erzähl mir von etwas
Positivem, das dir heute passiert ist. Wahrnehmen von unbewussten Gesten oder Bewegungen.
Verlangsamen. Folge deinen Gedanken, Gefühlen, Bildern in dir selbst. Erkenne
sich wiederholende Geschichten. Erlaube Gefühlen, hoch zu kommen und sich
auszudrücken. Komm in die Gegenwart zurück. Orientiere dich erneut im Raum. Und
dann, wenn danach gefragt wird, Körperarbeit. Nach einiger Zeit beginne ich zu
verstehen, was Arthur tut. Die Munyer Methode™ ist ein integrierter
therapeutischer 4-Körper Prozess (physisch, mental, emotional und spirituell), um Traumata durch die Freisetzung
blockierter und verdichteter Energien zu heilen. Ich dachte ich hätte mich für
„Triggerpunktmassage“ angemeldet, eine Methode, die von Janet Travell in den
60er Jahren entwickelt wurde, die eine Kombination von Druck und Injektionen
beinhaltet, um Triggerpunkte, Verspannung innerhalb von Muskeln und Gewebe des
physischen Körpers zu lösen. Arthur arbeitet nicht mit Injektionen. Und obwohl
er die Anatomie so gut wie jeder andere Therapeut, mit dem ich gearbeitet habe,
kennt, liegt sein Interesse im wahren Yoga, einer Integration von Körper,
Verstand und Geist. Von den vier Körpern ist der physische der
offensichtlichste. Es ist der Ort, wo die meisten Massagen beginnen und
aufhören. Dort findet man Muskeln, Sehnen, Knorpel, Bindegewebe, Knochen,
Lymphflüssigkeit und Blut. Laut Arthur und vielen anderen Körpertherapeuten und
Lehrern speichert der Körper unterschiedlichste Arten von Traumen, in Fällen
von schweren oder anhaltenden Traumen zeigt er körperliche Symptome. Das Trauma
kann physischer Natur sein, einschließlich der Geburt selbst, kann aber auch
psychologisch, emotional oder spirituellen Ursprungs sein. Das Leben stellt
viele Gelegenheiten für Traumatisierung bereit. Beginnend beim Ursprung der
Geburt, der Verwirrung und dem möglichen Missbrauch während der Kindheit sowie
während der emotional belastenden Phase des Erwachsenwerdens, scheiternden
Beziehungen, Ausbildungsfrust, das gelegentliche von einem Holzklotz
herunterfallen oder ein Schleudertrauma, das durch einen Auffahrunfall
verursacht wurde. Jedes von den genannten wird,
wenn es schwer genug war oder für eine lange Zeit erfahren wurde, sehr
wahrscheinlich, zu krankhaften Symptomen führen. Ein steifer Nacken ist eine
geläufige Folge von Trauma. Der Nacken erweist sich als sehr empfindlich,
unabhängig davon ob die Traumatisierung durch ein Schleudertrauma oder langes
Arbeiten am Computer hervorgerufen wurde. Der untere Rücken ist ebenfalls eine
beliebte Stelle.
Der Emotionalkörper ist das
Zuhause unserer Gefühle. Laut Arthur gibt es tatsächlich nur fünf Gefühle:
Liebe, Freude, Trauer, Angst und Wut. All die anderen sind Unterarten oder
Aspekte dieser fünf. Er behauptet, dass wir uns zu jeder Zeit in einer dieser
Gefühlslagen aufhalten bzw. in einer Kombination von ihnen. Eine passende
Antwort auf die Frage „Wie fühlst du dich?“, wäre also: „Ich fühle viel Liebe
und ein bisschen Traurigkeit.“ Oder:
„Ich spüre gerade viel Ärger.“ Oder: „Ich bin echt traurig.“ Oder: „Ich habe Angst vor…“ Oder hoffentlich: „Ich spüre gerade Freude.“ Natürlich ziehen
wir es in der Regel vor mit dem üblichen „Mir geht’s gut. Wie geht’s dir?“, zu
antworten.
Liebe ist ein Gefühl von
Freude und Attraktion zu jemandem oder etwas. Manchmal gibt es auch Dankbarkeit
und vielleicht etwas von „sich sehnen“ in der Liebe. Begehren, Lust ist eine
elementare Manifestation der Liebe. Es ist ganz klar ein positives Gefühl, ein
lebensbejahender Zustand, auch wenn es möglich ist ein „Liebesjunkie“ oder
co-abhängig zu werden. Sie ist mit der Freude verwand, die letztendlich ein
einfacher Ausdruck von Begeisterung oder Freude an jemandem, etwas oder am
Leben selbst ist. Trauer wiederum reicht
von Verzweiflung und Depression auf der einen Seite, bis hin zur von Herzen
gefühlten Reaktion auf eine Situation, eine Geschichte, ein Lied, das uns mit
seiner Tragik oder seinem Schmerz berührt.
Wut ist eine stürmische
Energie, die durch Situation ausgelöst wird, die wir ungerecht oder irritierend
empfinden. Sie kann gesund und motivierend sein oder kann krankhaft werden,
wenn sie sich in Form von Hass, Vorurteilen und Rachsucht ausdrückt. Angst ist etwas, das uns in Form
von Sorgen aufisst, zu Panikattacken und frei fließender Beunruhigung führt und uns in Feiglinge und
Schwächlinge verwandelt. In ihrer positiven Form dient sie der Vorsicht.
Der Mentalkörper ist das
Zuhause unserer Geschichten und die Quelle unserer Auswahlmöglichkeiten. Es ist
der Ort der Analyse und des Gesprächs. Die meisten von uns fühlen sich in
diesem Körper wohler als in den anderen. Wir reden gerne endlos über unsere
Meinungen, Erfahrungen, Hoffnungen, Wünsche, Pläne und Katastrophen.
Psychotherapie beschäftigt sich häufig ausschließlich mit diesem Körper, da sie
den Eindruck hat, dass etwas zu verstehen gleichbedeutend mit Heilung ist. Laut
Arthur ist das nicht unbedingt der Fall. Er weist darauf hin wie leicht es
passiert, dass wir in unseren eigenen Seifenopern und Lebensdramen
steckenbleiben und wie das wiederholte
Erzählen einer Geschickte zwar ein wenig Erleichterung schaffen kann, aber auch
dazu führen kann das Trauma zu verstärken, es sei denn es kommt zu
tiefgreifenden energetischen Entladungen. Arthur besteht darauf, dass wir in
unserem Mentalkörper Entscheidungen treffen können, die unsere Art zu sein
beeinflussen. Es ist der Ort, an dem wir Kontrolle über unseren Sprachgebrauch
ausüben, ob es Selbstgespräche oder eine Unterhaltung ist. Die negativen,
kritischen, abwertenden Arten von inneren Gesprächen ins Gegenteil zu
verkehren, kann unsere Erfahrung stark verändern. Verantwortung für unsere
Statements durch den Gebrauch des Wortes
„Ich“ anstelle von Projektionen und Anschuldigungen zu übernehmen, kann einen
in die eigene Kraft führen. „Ich möchte oder will, dass du“, anstelle von „Du
solltest“, oder „Ich bin wütend“, anstelle
von „Du machst mich wütend.“
Der spirituelle Körper ist
der Ort an dem wir die Erfahrung von Segen, kosmischer Liebe oder Agape,
Frieden und Erleuchtung erfahren. Es ist die Landschaft unserer jeweiligen
religiösen und spirituellen Praktiken und Verpflichtungen. Es kann ein Ort der
Dogmen und des Fundamentalismus sein oder der Ort versponnener Phrasen der
populär Spiritualität. In seiner vollkommensten Form ist der spirituelle Körper
eine Erfahrung von Präsenz, Bewusstheit im Jetzt und ungebundener Liebe.
Laut der Munyer Methode™
geht es letztendlich darum, dass in
einem „natürlichen“, unbeschädigten Zustand, Energie zu jeder Zeit frei in und durch die vier Körper hindurch fließt. Wenn jedoch ein Trauma auftritt, wird die
Energie in einem oder mehreren der Körper zusammengezogen. Wir stecken fest.
Wir stecken physisch, mental, emotional oder spirituell fest - in der Regel in
allen Bereichen. Also können wir nicht heil werden. Wir erholen uns nicht von
den „Stricken und Fallen des entfesselten Schicksals“,
über die sich Hamlet so bitterlich beschwert hat, die wir alle mehr oder
weniger gut kennen. Auftretende Symptome sind: Steifer Nacken, Depression,
Unentschlossenheit, Verzweiflung, Migräne, Diabetes, Krebs, Süchte, solche nach
verschriebenen Medikamenten oder andere, die den Schmerz vertreiben sollen. Was
es braucht ist eine Art die verdichtete Energie zu erreichen, in welchem Körper
sie sich auch aufhält, sie zu befreien und ihr zu erlauben sich zu entladen und
auszudrücken. Daher: die Munyer Methode™.
Die Methode ist
eine einmalige Integration von Therapieformen und Anwendungen, die vom Hatha
Yoga, Esalen® Massage,
Tiefengewebsarbeit, Triggerpunktmassage, Feldenkrais und der Alexander Methode
bis hin zur Gestalt Psychologie (Fritz Perls), Somatic Experiencing® (Peter Levine), Meditation und
Gewahrsamkeitsübungen reicht. Die Methode ist eingebettet in die Methoden des
Shivananda Yoga und den spirituellen Lehren verschiedener Traditionen, die auf
profunde Art und Weise in der Arbeit von Eckhart
Tolle Ausdruck finden. Es ist eine
Methode, die über 30 Jahre hinweg entstanden ist.
Arthur hat Levins Ideen mit seiner eigenen
spirituellen Arbeit und Körperarbeit kombiniert. Er arbeitet immer häufiger
ohne physiologiebezogene Techniken, während er versucht den Klienten in
Bereiche gestauter emotionaler oder spiritueller Energien zu führen. Wenn auf
einen bestimmten Ort des physischen Körpers hingewiesen wird, kann im Anschluss
an die Gesprächssitzung auch praktische Körperarbeit folgen.
Das Folgende ist ein Bericht meiner Arbeit mit Arthur,
während eines Zeitraums von über einem Jahr. Ich suchte Arthur zu dieser Zeit
durchschnittlich alle zwei Wochen auf. Jede Sitzung war einzigartig, aber jede
folgte dem Muster, das ich oben beschrieben habe. Die Sitzungen, die ich im
Folgenden beschreibe, stehen stellvertretend für die Arbeit, die wir gemacht
haben und die Ergebnisse, die wir mit der „Munyer Methode“ erzielt haben.
Als ich das erste Mal zu Arthur kam suchte ich, wie bereits erwähnt, einfach nach einer Möglichkeit meine Nackenschmerzen zu erleichtern. Ich habe diesen Schmerz einige Zeit lang mit Hilfe von Massagen, Chiropraxis, Akupunktur und Nahrungsergänzungen (SAMe, Glucosamin, MSM usw.) behandelt. In den acht Jahren, seit ich den Schmerz das erste Mal wahrgenommen habe, habe ich eine Vielzahl von Heilmitteln ausprobiert.
Zu dieser Zeit war ich in Australien und fuhr auf der
„falschen“ Straßenseite. (Man bemerke wie rechtszentriet ich bin: das Steuerrad
auf der rechten Seite des Autos und die Konvention auf der linken Straßenseite
zu fahren, haben sich in ein moralisches Urteil verwandelt. Jeder dessen Auto
ein Lenkrad auf der rechten Seite hat und die linke Straßenseite befährt ist
irgendwie „falsch“.) Meinen Kopf in eine andere Richtung zu drehen um über die
Schulter zu sehen, bevor ich mich in den Verkehr einfädelte oder rückwärts
fuhr, als ich es 45 Jahre lang getan hatte, war nicht nur eine geistige
Anpassung sondern erforderte eine deutliche Neuprogrammierung meines Körpers.
Unglücklicherweise stellte ich fest, dass ich meinen Kopf nicht sehr weit in
die entgegengesetzte Richtung drehen konnte, ohne extreme Steifheit und akuten
Schmerz zu spüren. Mein Nacken war
steif. Ich sage nicht, dass sich mein Nacken versteift hat weil ich 45 Jahre lang
auf der rechten Straßenseite gefahren bin. Ich sage nur, dass ich, als ich
meinen Körper in die andere Richtung drehen musste, er nicht damit zurecht kam.
Und so zog ich los um das Problem zu „richten“.
Ich fing in Australien mit „Physiotherapie“ an. In
Australien besteht Physiotherapie zumeist aus der sogenannten TENs Behandlung.
Dies beinhaltet Elektrostimulierung von kontrahierten Muskeln, um Entspannung
herbeizuführen. In manchen Fällen funktioniert es und ist sinnvoll: der Muskel wird
durch elektrische Ladung stimuliert, die Muskelnerven feuern. Dies führt dazu, dass
sich der Muskel kontrahiert und entspannt. Es ist anzunehmen, dass dieser
Vorgang das verspannte Gewebe lockert, um so Muskelkrämpfe oder Verspannungen
zu lösen, allerdings habe ich keine Ahnung warum es das tun sollte.
In jedem Fall hat es zu geringfügiger, vorübergehender
Verringerung der Steifheit gesorgt. Es hat jedoch nicht wirklich den Würgegriff,
der von meinem Nacken aus über meine Schultern und Nackenmuskeln lag, gelockert.
Ich habe auch noch andere Sachen ausprobiert. Ich habe orthopädische Einlagen
in meine Schuhe gelegt, um Ungleichgewicht auszugleichen, um auf diese Weise
eine Veränderung in meinem Nacken hervorzurufen. Ich habe mit einem
amerikanischen Chiropraktiker gearbeitet, der meinen Nacken eingerenkt hat und
mir einen 12 Pfund schweren Ball mitgab, den ich mir um den Hals hängen sollte,
während ich meinen Kopf vom Ende eines Tisches, mit einer Schaumstoffrolle
unter meinem Hals, herabhängen ließ. Dies sollte die natürlich Biegung des
Halses wiederherstellen. Dann gab es noch chinesische Massage. Bestandteil
davon war ein energiegeladener, chinesischer Doktor der auf meinen Rücken
kletterte und seine Ellbogen tief in meine Muskeln vergrub. Nicht zu schreien,
erforderte meine vollständige Willenskraft. Aromatherapie war eine weit aus
sanftere Behandlung. Indisches Schröpfen, Akupunktur und gelegentliche
Yogastunden folgten.
Während der gesamten Zeit warf ich ca. 600 mg
Ibuprofen pro Tag ein und fuhr weiterhin verspannt durch die Gegend, flog überall
durch die Welt und hatte dabei einen schweren Computer über meiner rechte
Schulter hängen.
Fünf Jahre später war ich zurück in den USA, mein
Nacken kein bisschen lockerer, aber jetzt fuhr ich wieder auf der „rechten“ Seite
der Straße. Der Schmerz war nun chronisch geworden und ich konnte, nun da ich
in Rente war und mehr Zeit hatte, mehr
Aufmerksamkeit darauf verwenden, einen Lösung zu finden. Wieder suchte ich die
üblichen Verdächtigen auf: Akupunktur, Tiefengewebsmassage, Chiropraktiker.
Zeitweise gab es Anzeichen von Entspannung. Die Behandlungen waren recht
angenehm. Die Anwender waren allesamt professionell, zugewandt und fürsorglich.
Aber wenige Stunden nach der Behandlung, im besten Fall einen Tag später, war
die Einschränkung meines Nackens und der Schmerz wieder da. Er zog sich nun von
der rechten Seite des Halses, über den oberen Rücken und bis über die Muskelstränge zwischen den Schultern. Außerdem
kämpfte ich mit einer Depression. Der Übergang in den Ruhestand lief nicht so
gut.
Ich hatte einen Massage Kurs in der örtlichen
Massageschule begonnen, dem Monterey Institute of Touch, in Carmel Valley. Ich
dachte darüber nach ein zertifizierter Massagetherapeut zu werden, aber meine
rechte Hand und mein rechter Arm verloren langsam ihre Funktionsfähigkeit,
durch einen fortgeschrittenen Fall von Dupuytren'scher Kontraktur und einer Art von Schleimbeutelentzündung. Als ich nach einem Triggerpunkt
Spezialisten fragte – nicht dass ich genau gewusst hätte was Triggerpunkte
waren – rief ich das Institut an und bat um eine Empfehlung. Sie gaben mir
Arthur Munyers Namen und seine Telefonnummer. Arthur hatte offenbar in der
Vergangenheit für das MIT unterrichtet. Er lebte, wie mir gesagt wurde, in
Carmel, nur einige Minuten von meinem Zuhause in Pacific Grove entfernt.
Während unserer Sitzungen war Arthur mit weiter
Baumwollkleidung angezogen und trug eine Yogi-Gebetskette um den Hals. Er saß
barfuß auf einem Schaffell, das über seinen Stuhl drapiert war. Ich saß ihm
gegenüber. Sein Haar war an den Schläfen ergraut und floß über seine Stirn nach
hinten. Seine Züge waren angenehm und onkelartig. Der Raum, in dem wir saßen,
war sonnig und mit allen möglichen Paraphernalien angefüllt – Steine,
Buddhastatuen, kleine Brunnen, Bilder von Yogis, Zeichnungen von Chakras,
Kristalle und Klangläser und Klangschalen. Der Geruch von Namchampa Weihrauch,
schien alles zu durchdringen.
Arthur war lebendig, mit schnellem Verstand, ein bisschen
wie man sich einen freundlichen Kobold vorstellen könnte. Wir hatten schnell eine
Verbindung zueinander. Er schien sich mit mir wohl zu fühlen, und ich mich mit
ihm. Wie bereits erwähnt unterhielten wir uns die komplette erste Sitzung, von über einer
Stunde. Das fand ich zunächst nicht so toll, aber er sagte er hatte
gelegentlich mit Leuten gearbeitet und eine „Entladung“, ohne physische Berührung, hervorrufen können. Zu dieser Zeit war mir
nicht klar, wie er das tun könnte. Über das nächste Jahr hinweg, während dem
wir und 20 bis 25-mal getroffen haben, fing ich an die „Munyer Methode“ besser
kennen und schätzen zu lernen.
Es wurde bald klar, dass mein Nackenproblem eher eine
„Referenz“ war, als organischen Ursprungs. Die Anspannung in meinen Nacken, in
meinen Schultermuskeln sowie den verbindenden Muskeln im mittleren und unteren
Bereich des Rückens, waren meine Körperreaktionen auf „Trauma“. Die einzige Art
und Weise, laut Arthur, diese Muskeln dauerhaft zu entspannen, war da
hinzugehen, wo das Trauma entsprang – in einem meiner 4 Körper – und es dort zu
befreien. Damit meinte Arthur aber nicht, in die Geschichte meines Traumas hineinzugehen.
Ein erneutes Aufzählen aller Ereignisse und Umstände die traumatisch waren (schmerzhaft, beängstigend, stressig) würde
nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen es erneut auszulösen und das ursprüngliche Trauma
zu verstärken. Was Arthur wollte, war zu lokalisieren wo das Trauma jetzt festsaß und ihm zu erlauben sich
zu lösen. Dies war notwendigerweise ein sanfter, nicht-gewaltsamer und
nicht-invasiver Such- und Freisetzungsprozess. Denn jede Anstrengung das Trauma
zu behandeln würde sonst auf Widerstand treffen, so dass es den Körper nicht
darin unterstützen würde, sich selbst zu heilen.
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